Blue Aura

Text: AW

Fotos: TL, AW

 

Hifi oder High-End, wie es sich das audiophile Hören in der heutigen Zeit nennt, bedeutet ja oft Musik mit Geräten zu hören, deren Kaufpreis schnell dem Gegenwert von Kleinwagen oder gar Eigentumswohnungen entspricht.

 

Gerade jetzt, wo u.a. viele Hifi-Jünger zur High-End, der weltweit größten Messe für die Liebhaber audiophiler Musikwiedergabe, nach München pilgern, um sich dort absolutes Hifi Equipment für großes Geld an zu hören, möchten wir zeigen, dass es auch mit weniger Aufwand möglich ist, schon richtig gut Musik zu hören.

 

Wer sich für neues Equipment zum guten Musikhören interessiert, blättert sich erfahrungsgemäß zuerst einmal durch die einschlägigen Hifi-Magazine. In diesen Zeitschriften überwiegen dann aber meistens Berichte, Präsentationen und Werbung für Komponenten und Anlagen in preislichen Regionen, die meist aber in den Hochpreissegmenten angesiedelt.

 

Da gilt nur noch das Motto: „Was nix kostet ist nix oder frei nach Wilhelm Busch formuliert: „Bei näherer Betrachtung steigt mit dem Preis auch die Achtung".

 

 

Mit dieser Fragestellung im Gepäck, haben wir uns einmal zwei Lösungen des Herstellers Blue Aura, die uns bereits auf den Westdeutschen Hifi-Tagen in Bonn gut gefallen hatten, einmal näher angesehen.

 

In der Vorbereitung zum Test hatten wir uns darüber mit einigen uns bekannten Händlern zu Ihrer Meinung bezüglich solcher Lösungen unterhalten. Wir erhielten dazu unterschiedliche und aus unserer Sicht durchaus nicht erwartete interessante Aussagen.

 

Vereinzelt gab es Lob für die Idee sich kleinere Lösungen anzuschauen, jedoch überwiegend wurden wir eher etwas "belächelt" und man sagte uns mit einem „lächeln" : "Wenn wir solche Analgen vorführen, wird es schwierig unseren etablierten (meist teureren) Geräte zu verkaufen" und ein Vertreter eines großen ortsansässigen Händlers bemerkte noch: "Nein, wir hier glauben das "so was" weder zu uns noch zu unserer Kundschaft passt und mal ehrlich, wer wirklich ernsthaft Musik hören will und kauft sowas sowieso nicht".

 

Wenn man durch die Ausstellungsanlagen mancher High-End Läden tingelt, könnte man das durchaus glauben. Wenn man sich vor Augen hält, dass viele Lautsprecherkabel deutlich mehr als beide Testanlagen zusammen kosten, erscheinen solche Aussagen durchaus verständlich, wenn auch für uns nicht wirklich nachvollziehbar.

 

 

 

Umso mehr war es uns ein Anliegen uns die beiden Lösungen die uns Günter Härtel freundlicher Weise zur Verfügung gestellt hatte in unseren Umgebungen genauer anzusehen.

 

 

 

 

 

 

 

V40 Röhrenverstärker, X30 Bluetooth Lautsprecher,

x-Sub Subwoofer

 

 

 

 

Was zeichnet nun unsere beiden Protagonisten aus?

 

Ein Merkmal, das sich wahrscheinlich für den geneigten Betrachter am schnellsten bemerkbar macht, ist die Tatsache, dass das Sparbuch je nach gewähltem Setup gerade einmal mit 800 bis 1700 Euro belasten. Doch es ist schlicht falsch zuerst auf den Preis zu schauen, denn dieser lässt bei Weitem nicht erahnen, was in diesen kompakten Anlagen steckt.

 

Uns war aber auch schnell klar, sie machen richtig gut Musik und haben je nach Zusammenstellung auch noch ein paar tolle Features wie z.B. Röhrentechnik, W-LAN, USB, Subwoofer-Ausgang, Bluetooth oder Plattenspieler mit an Bord.

 

passives Setup

Röhrenverstärker Blue Aura V40                          (699€)

Lautsprecher passiv Blue Aura PS40                    (399€)

Subwoofer X-Sub                                                             (399€)

Bluetooth Plattenspieler AT-LP60BT                   (229€)

V40

 

Dieser kleine Kerl, vereint eine Röhrenvorstufe mit einer 2x30 Watt Digital-Endstufe. In einem optisch sehr ansprechenden Gehäuse, das wie eine Verkleinerung großer Röhrenverstärker anmutet, sind dabei sowohl Bluetooth als auch W-LAN integriert, (Funk nur optional mit zusätzlichem Dongle) sowie einen eigenen Subwooferausgang.

 

In Verbindung mit den passenden passiven Lautsprechern Blue Aura PS40 für 399€ das Paar aus gleichem Hause hat man schon gute Voraussetzungen geschaffen, seine Musik in sehr guter Qualität genießen zu können. Als Quelle kann dazu zum Beispiel direkt von einem vorhandenen Smartphone aus per Bluetooth auf den Verstärker streamen und fertig ist dann eine feine kleine Anlage. Für alle, die mehr Raum und Tiefe mögen, bietet sich die Verbindung zu einem 2.1 System mit dem passenden ebenfalls lederverkleideten X-Sub von Blue Aura für 400Euro an. So aufgestellt braucht man den Vergleich mit deutlich teureren Geräten nicht zu scheuen.

 

Als weitere Möglichkeit kann man auch Quellen via Toslink (ohne Toslink, nur USB und 3,5mm Klinke) oder Aux verbinden und kann auf diese Weise unteranderem auch noch den meist eher dürftigen Sound mancher aktueller Flatscreens mächtig aufpeppen. Mit Toslink ausgestattet sind dabei die Bluetooth Lautsprecher X30 und X40.

 

Wer als Quelle direkt mit dem PC zuspielen möchte, kein Problem, dafür steht ein USB Anschluss zur Verfügung. Hinzu kommt noch ein analoger RCA Anschluss z.B. für einen CD Player. Das was sich klanglich mit dieser Lösung abbilden lässt, das muss eine Soundbar zum gleichen Preis erst einmal nachmachen. Was uns aber besonders gefallen hatte, ist die Möglichkeit, für alle die noch eine Schallplattensammlung ihr Eigen nennen, diese wieder hören zu können. Dazu sollte sich der Interessierte, dann denn vollautomatischen Audio-Technica Bluetooth Plattenspieler AT-LP60BT für 229 € näher anschauen.

 

1726€ für eine komplette Anlage mit Sub und Schallplattenspieler als analoge Quelle, kann bei der angebotenen Leistung als echtes Schnäppchen angesehen werden.

 

 

 

V40 mit passiven Lautsprechern PS4

 

aktives Setup

Blue Aura X30 kompakt                  (400€)

X-Sub                                                        (399€)

 

Aber auch für Puristen, die minimalistischer unterwegs sein möchten, haben wir die Lösung Blue Aura x30 Wireless für gerade einmal 400€ angeschaut. Hinter x30 verbergen sich ein Paar kleine aktive Lautsprecher in ansprechender Lederverkleidung, mit Wireless (Funktion erfolgt übereinen t Sendedongele) , Aux, Blutooth, RCA Eingängen, Toslink, so wie einen Sub Anschluss, passend für den lederverkleideten X-Sub für 400 € aus gleichem Hause. Auch hier kann man mit dem Smartphone als Quelle sofort losgehen. Einfach die beiden Lautsprecher mittels Netzwerkkabel verbinden ggf. noch den Sub koppeln, Musik z.B. vom Streaming-Dienst auswählen und loslegen.

 

So kann eine kleine feine Anlage aussehen. X30 - X -Sub und als Quelle ein vorhandenes mobiles Device und das wars.

 

Nun stellt sich noch die Frage: Wer braucht "so was "?

 

Die beiden gehörten Systeme kann sowohl der Hifi-Stereo -Einsteiger als auch der ambitionierte Musikgenießer, der vielleicht eine kleine zweit oder dritt Anlage fürs Büro oder einen richtig guten TV Sound sucht, wirklich fündig und glücklich werden.

 

Für sehr viele dürfte diese Leistung schon einen richtigen Schritt in Richtung audiophiles Hören bedeuten, zumal das Ergebnis deutlich über dem angesiedelt ist, was z.B. ähnlich treuere Soundbars bieten können.

 

Wenn wir uns mal kurz zurück erinnern, in den goldenen Zeiten des Hifi, also zu einer Zeit in der viele der heutigen High-Ender im jugendlichen Alter den Einstieg sich nur durch selberbauen von Boxen und Verstärkern leisten konnten. Damals gab es auch schon Geräte, die für viele unerschwinglich waren. Ein Problem, dem auch der audiophile Nachwuchs heute gegenüber steht. Für viele, vor allem junge Leute sind die meisten der High-End Geräte einfach zu teuer. Menschen der Ipohne-Generation, die gerne besser Musik hören möchten, sind oft nicht willens, sich im deutlich vier oder gar fünfstelligen Bereich oder noch mehr zu bedienen. Den möglichen Klang bzw. Qualitätsgewinn, auch wenn er ihnen gefällt, bemessen viele nicht mehr diesen Wert bei.

 

Bei Gesprächen mit musikinteressierten nicht Hifi-Freaks, haben wir öfter gehört, dass sie, wenn das Paket stimmt durchaus zwischen 1500 und 2000 Euro bereit sind zu investieren.

 

Der Einstieg mit den Blue Aura X30 (oder alternativ dem X40 Standlautsprecher)  kann aus unserer Sicht durchaus als moderat bezeichnen. Auf Grund der guten Skalierbarkeit, z.B. Anschluss von größeren Standlautsprechern an den V40 Röhrenamp, kann man den Faktor „Investitionsschutz" durchaus als sehrg gut bezeichnen.

 

Den V40 mit Standlautsprecher (idealer Weise mit gutem Wirkungsgrad) zu kombinieren, bedeutet gleich beim Hören eine Stufe aufsteigen.

Wir hatten deshalb zum Test die Kudos Super 10 einmal an den V40 angeschlossen. Auf dieses Weise zeigte sich, was man noch an klanglicher Steigerung beim Upgrade des Setups noch herausholen kann.

 

Dabei dürfen wir aber nicht verschweigen, dass die Kudos mit einem Paarpreis von über 4000Euro schon deutlich aufwändiger sind. Was sich ein Käufer unserer Meinung sich jedoch auf jeden Fall gönnen sollte, sind bessere Boxenkabel. Dies wertet die Kombination V40 mit PS40 deutlich auf. Hier sind ein paar Euro mehr als sinnvoll angelegtes Geld. Noch ein Paar schicke kleine Ständer dazu und fertig ist ein richtig feines kleines Setup.

 

Wir haben mit diesen Kombinationen während des Testens stundenlang entspannt Musik gehört. Selbst im nicht eingespielten Zustand machten diese beiden kleinen Anlagen schon richtig Freude.

 

Natürlich hinkt jeder Vergleich mit großen Anlagen über die wir sonst meist berichten hinterher. Es wäre dabei wirklich unfair, den gleichen Maßstab anzulegen. Doch wenn man Klang, Bühne, räumliche Darstellung, Dynamik und Musikalität sich bei der gebotenen Leistung anschaut, wird man nichts vermissen. Sicher geht es immer besser aber bei dem Preis wird dies äußerst schwierig.

 

Von uns gibt es für beide Lösungen eine volle Empfehlung. Hinzu kommt dass bei diesen Geräten, und das haben wir auch wiederholt getestet, der WAF (Woman Acceptance Factor) im absolut grünen Bereich spielt.

 

Was und besonders viel Spaß gemacht hat, war das Zuspielen vom Plattenspieler AT-LP60BT.

 

Bluetooth und analoge Schallplatte, wär hätte im Vorfeld gedacht, dass dies so gut funktioniert.

 

Man sollte allerdings beachten, die Distanz zwischen dem x40 oder x30 nicht über Ecken oder größere Strecken zu machen, da kommt die Technik irgendwann an ihre Grenze. Ein Aufbau mit einer direkten Sichtverbindung über 5 m funktionierte bei uns sehr gut. Darüber kann es, wenn sich jemand dazwischen bewegt zu kurzen Unterbrechungen kommen. Der Komfort ist ansonsten sehr gut. Bluetooth per Knopfdruck mit dem Verstärker koppeln und Platte auflegen, Start drücken und entspannt zurück lehnen. Komfort ist auch bei den Geräten X40 und X30 per Fernbedienung gegeben.

 

Beim V40 können dabei auch Bass und Höhen beeinflusst werden, so dass man hier auch noch auf das persönliche Hörempfinden oder den Raum etwas eingehen kann. Sofern man Geräte via Bluetooth zuspielt, kann man Protokollbedingt nur mit einem Gerät koppeln. Beim Quellenwechsel von Platte auf Smartphone, muss man nur schnell neu koppeln.

 

Der X-Sub, der von seiner Signatur her sehr musikalisch ausgerichtet ist, lässt sich mittels Gain und Frequenzregelung gut integrieren. Der Raumgewinn, den man jedoch in Verbindung mit dem X-Sub erhält, machen ihn schon fasst zu einer Musskomponente in der Kette.

 

Ästeten werden den V40 lieben. Die Röhrenvorstufe in Kombination mit dem "magischen Auge" für die Lautstärke und der modernen Digitalen Endstufe, die wie klassische Übertrager oben auf dem Verstärker thronen, entsteht z.B. beim Abspielen von Schallplatten und wenig Beleuchtung im Raum, ein richtiges Gefühl von Hifi-Romantik. Klanglich konnten die Komponenten überzeugen, vor allem mit Blick auf den Preis stimmt das Paket.

 

 

In naher Zukunft wird diese Familie durch den V32 Röhrenverstärker mit Phono erweitert. In der Entwicklung befindet darüber hinaus auch noch ein größerer Vollröhrenverstärker mit Phono, Bluetooth und Subwoofer Ausgang.

 

 

Wir dürfen also weiter gespannt sein, wie sich diese Lösungen entwickeln.

 

Info:

 

deutsche Web-Seite Blueaura

V40        = Röhrenverstärker

X30        = Bluetooth kompakt Lautsprecher   

X40        = Bluetooth Standlautsprecher)

X-Sub    =  Subwoofer

PS4       = passive Kompakt Lautsprecher

 

Audio-Technica Plattenspieler

 

Vinyl

 

Carolin No - Novembersongs (180g)  

Erschienen 1.11.2015 (exclusiv für JPC)

 

 

Sie beiden Anlagen konnten mit dem Bluetooth Plattenspieler den Flair dieses außergewöhnliche und besonders audiophil aufgenommene Album, des würtsburger Duos Carolin und Andreas Obrigado wiedergeben. Die Abbildung von Raum und Bühne ließen die Größe und den Preis der Anlage schnell vergessen. Richtig aufgestellt und besonders in Verbindung mit dem Subwoofer löste sich die Musik selbst in einfachem Aufbau schon recht sauber von den Lautsprechern in beiden Anlagen. Mit den PS40 und dem Sub wurde das Klangbild größer und die Stimme von Carolin erhielt mehr Körper. Mit der Anbindung an die Kudos Super 10 konnten wir dann erleben, was noch an Potential in dem kleinen Verstärker steckt.