Stax-Amp SRM-717 an SR007 MK2 versus AKG K812 an Lehmann BCL SE

On-Ear Kopfhörer

Texte und Bilder: TL

Nachdem ich das Set bestehend aus SMR-717 und SR007 MK2 seit Anfang Juni mein Eigen nennen darf, ist eine Menge Zeit vergangen.


Nun habe es endlich geschafft, den SRM-717 in das bestehende Rack im Wohnzimmer zu integrieren, nachdem er eine ganze Zeitlang im Arbeitszimmer mehr oder weniger unbenutzt in der Ecke stand. Der einzige Einsatz bei mir, bestand bislang in ganzen zwei "Runden" mit einem Raspberry Pi incl. DAC-Karte als Quelle. Dabei wurde jedoch lediglich die Funktionalität des Raspberry getestet, und nicht "ernsthaft" und genussvoll Musik gehört.


Technik: Test-Setup - Aufbau

Stax-Amp SRM-717 auf dem Naim-Fraim (lite) und mit dem NAC-172xs von Naim als Streamer / Vorstufe gegen AKG K812 und Lehmann BCL SE.


Als Netzkabel kamen die selbstkonfektionierten Lapp-Ölflex Robust 210 sowie NF-RCA-Kabel "Black Sience" von fast-audio und wbt-Steckern zum Einsatz. Der BCL wurde vom RCA-Ausgang des SRM-717 mit einem "Yellow" von Dolphin Audio mit dem Musiksignal versorgt.


Musik: Playlist

01 - U.T. Ghandi - Arto

02 - Emiliana Torrini - Easy

03 - Lizz Wright - The Game (96-24)

04 - Herbie Hancock - A Song for You

05 - Norah Jones - Thinking About You (192-24)

06 - Fink - Shakespeare (44,1-24)

07 - Boy - We Were Here

08 - Puss N Boots - Leaving London


Test


Gehört wurde jeweils im Wechsel zwischen AKG und Stax, i.d.R. die erste Minute mehrmals sowie das ganze Stück mit jeweils beiden Hörern.

 

Ausgepegelt habe ich nach Gehör...

 

Den Einstieg macht "Arto" von U.T. Ghandi, das mit zwar "nur" in CD-Quali daherkommt, aber aufnahmetechnisch wirklich mit zum Besten gehört, was ich in der Sammlung habe. Mit vielen Percussions und einem sehr druckvollen und tiefen "Bass" stellt es hohe Anforderungen an das Auflösungsvermögen und Klarheit der Kette.

 

Weiter geht´s mit "Easy" von der Isländerin Emiliana Torrini vom Debut aus 1999. Ihre klare und sehr verspielte Stimme sollte sich nahtlos in die Musik einfügen und an diversen Stellen mit schönem Hall lange ausklingen.

 

Vom aktuellen Album "Freedom&Surrender" von Lizz Wright habe ich das sehr melodische und mit reichlich Orgel versehene "The Game" ausgewählt - stimmlich ein extrem großer Kontrast zum vorherigen Stück, da sie Stimme von Lizz Wright einen enormen Schmelz besitzt und dieser eben auch zu hören sein sollte. Dabei dürfen die Percussions aber nicht untergehen und müssen klar und deutlich auszumachen sein.

 

Wieder im krassen Gegensatz hierzu steht die Stimme von Christina Aguilera, die Herbie Hancock bei einem Cover des "Songs for you" unterstützt und wie von Hr. Hancock gewohnt superb aufgenommen ist. Die Vocals werden sehr hart und mit einer enormen Power gesungen und stehen somit eindeutig im Mittelpunkt des Geschehens. Trotzdem sind die in den ersten Sekunden von links nach rechts und wieder zurück nach links wechselnden Soundschnippsel ein echter Prüfstein an die Feinauflösung und Transparenz – je nachdem, wie klar und deutlich diese präsentiert werden.

 

Zu Norah Jones muss ich eigentlich nicht mehr viel schreiben - hier heißt es einfach nur genießen und zuhören.

 

Das Album "Hard Believer" von Fink aus dem Jahr 2014 ist eines meiner aktuellen Lieblingsalben, an dem ich mich einfach nicht satthören kann. Besonders der Track "Shakespeare" fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wenn die anfänglichen, hart angeschlagenen Gitarrenseiten einen extrem weiten Raum "aufspannen" und die Stimme von Fink wie aus dem nichts zu kommen scheint - um dann von einem satten und druckvollen Bass begleitet ein wahres Inferno zu entfachen, mit den jeweiligen Unterbrechungen zu jeder "Strophe".

 

Die erste Auskopplung "We were here" aus dem zweiten Album von Boy zählt jetzt aufnahmetechnisch sicher nicht zu den Highlights, da extrem "fett" und mit starkem Fokus auf den (Ober-)bass abgemischt wurde. Das "verschmiert" dann auch schon mal ganz gerne, wenn eben dieser Bereich von der Kette eh schon besonders betont wird.

 

Den Abschluss macht dann wieder Norah Jones mit einem ihrer Side-Projekte namens Puss N Boots - drei sehr unterschiedliche, extrem klar aufgenomme Frauenstimmen werden begleitet von Banjo, akustischen Bass und Gitarren und musikalisch im Country-Blugras angesiedelt besticht der Song durch seine Einfachheit und sparsame Instrumentierung.


Ergebnisse, Eindrücke, Klang und Unterschiede

Zuerst fällt auf, dass der K812 sehr viel heller und hochauflösender spielt als der 007. Hier muss man dazusagen, dass es sich beim Stax um eine Serien-Nr. SZ3-xxxx handelt, die bekanntlich sehr "dunkel" abgestimmt ist.

 

Der Unterschied ist wirklich recht groß, zumal das "Black Sience" noch minimal heller und hochauflösender "klingt" als das Yellow, mit dem ja der BCL SE angeschlossen ist.

 

Generell bestehen da auch noch Unterschiede, wie die beiden verschiedenen Systeme die Musik präsentieren.

 

Das dynamische Set ist dabei sehr schnell, klar und stellt noch so jede Kleinigkeit der Aufnahme sehr ehrlich und unmittelbar dem (Zu)hörer dar. Beschönigen liegt diesem Setup fremd, von einem „sezieren" der Musik will ich aber bewusst nicht sprechen. Dabei ist es auch eigentlich egal, ob mit sehr leisen, mittleren oder höheren Lautstärken gehört wird - das Klangbild verändert sich nicht wirklich, sondern wird einfach nur lauter.

 

Der Stax ist i.d.R. sowieso kein KH, mit dem enorme Pegel gefahren werden (sollten). So punktet die Doppel-007 auch mit einem sehr homogenen, ausgewogenen Klangbild, welches vor allem die (teilweise sehr hohen) Stimmen der Teststücke sehr schön in das Gesamtgeschehen einbindet. Wirkt alles sehr entspannt und lässt gerade bei geringen Lautstärken die Musik wunderbar "fließen".

 

Aber hier sehe ich persönlich die größte Schwachstelle im Stax-Set - sobald es etwas lauter wird (ca. 11 Uhr), hat das Gespann schon so seine Probleme, die Instrumente und Stimmen im bei geringen Pegel harmonisch austarierten Gesamtbild in das richtige Verhältnis zu setzen. Wichtige Details wie z.B. der links-rechts-links-Wechsel bei Herbie Hancock oder die Hamond-B3 bei Lizz Wright sind zwar noch vorhanden, aber deutlich "schlechter" zu fokussieren als vorher. Da ist mir persönlich einfach zu wenig Energie im Hochtonbereich, so dass die Relationen nicht mehr stimmen. Das geht sogar so weit, dass mir die Wiedergabe des Stax nach längerem Hören irgendwann zu langweilig und ermüdend wird.

 

Mag sein, dass man bei häufigen Leisehören sein Gehör schult - ich möchte mich aber bei KH-Betrieb nur auf die Musik konzentrieren "müssen" und nicht noch "Schwächen" der Kette kompensieren. Dabei fahre ich auch mit dem K812 keine hohen Pegel, der Lautstärkeregler kommt i.d.R bei kleinster Gain-Stufe selten über 11 Uhr hinaus. Der normale Pegel liegt so zwischen 9-10 Uhr, was ich bei meiner bevorzugten Hörumgebung im nahezu dunklen Raum in halbliegender Position für absolut ausreichend empfinde.

 

Vielleicht ist auch der eher musikalisch spielende Naim als Quelle für den Stax nicht die beste Wahl bzw. die perfekte Ergänzung zum Lehmann - ein eher nüchterner Linn oder Moon könnten hier ggf. besser "passen".


Fazit

Zusammenfassend für mich ist der SR007 MK2 SZ3 / SRM-717 dem K812 / BCL SE sehr klar "unterlegen" .


Wie gesagt - der persönliche Geschmack und die Vorliebe an ein bestimmtes Klangbild spielen hierbei eine nicht unerhebliche Rolle. Auch die unterschiedliche Präsentation der Musik sollte nicht unerwähnt bleiben, ist schlussendlich auch Geschmackssache und ungefähr zu vergleichen wie der Unterschied von Audeze zu Grado.


Bin ich etwa kein Stax-Typ? Auch das mag sein. Ich werde den 007ern aber noch eine weitere Chance geben und sie mit dem iDSD, einem Linn Sneaky / Majik sowie einem Raspberry Pi incl. DAC-Karte im Batteriebetrieb einem ausführlichem Test unterziehen.


Die Suche nach einer geeigneten Quelle scheint mir jedenfalls eine lohnende Sache zu sein - so schnell gebe ich das Stax-Set noch nicht auf...